Im Falle des Falles – was passiert mit unserem Online-Leben?


Manche mehr, manche weniger: Wir leben online, wir lieben und trauern online, wir teilen unseren Alltag mit Freunden, Bekannten und Unbekannten – die meisten Menschen leben ein Online-Leben 2.0.

So unangenehm der Gedanke ist, er sollte jedoch keineswegs verdrängt werden: Was geschieht nach unserem Tod mit unserer Online-Identität? Was passiert mit unseren Social Media-Profilen, wer kümmert sich um laufende Auktionen und Käufe, wer öffnet den virtuellen Briefkasten?

Die wenigsten von uns geben anderen Menschen Zugriff auf diese doch recht privaten Archive und Dateien, unsere Passwörter sind uns ein (sicheres) Heiligtum. Ohne diese gelangt niemand an unsere Daten, was zu Lebzeiten unbedingt wichtig ist. Die Hinterbliebenen stellt dies aber im Falle des Todes vor ein Problem.

Nun gibt es die Möglichkeit, die Passwörter an einem sicheren Ort zu verwahren und eine Person des Vertrauens darüber in Kenntnis zu setzen. Was aber, wenn das Passwort geändert wird und man aus Schusseligkeit die Liste nicht aktualisiert? Oder der Zettel nicht mehr auffindbar ist. Oder vergessen wird? Oder, oder, oder…
Wenden sich Hinterbliebene an die jeweiligen Anbieter der Portale, kann dies in einen kleinen Bürokratie-Wettlauf ausarten. Danach steht aber in einer solchen Situation wirklich niemandem der Sinn.

Die meisten Anbieter verlangen die Vorlage eines Totenscheins vor der Freigabe des Zugangs, Facebook schaltet das Profil auf Wunsch in einen Gedenkmodus. Für dieses Freischalten muss der Beantragende gar nicht selbst bei Facebook registriert sein. Über einen Antrag kann der Modus aktiviert werden, sofern ein Nachweis geliefert wird. In diesem Fall ist die Profilseite zwar noch erreichbar, jedoch ausschließlich für bestätigte Freunde des Verstorbenen. Wer diese Form des Online-Andenkens nicht wünscht, kann das Profil selbstverständlich auch löschen lassen, wenn der entsprechende Nachweis vorliegt.

Google hat für alle angebotenen Produkte und Konten eine sogenannte Nachlassautomatik eingeführt, sodass in den eigenen Kontoeinstellungen Personen des Vertrauens hinterlegt werden können, die nach einem selbst definierten Zeitraum der Abstinenz kontaktiert werden und nach einer persönlichen Bestätigung Zugang zum Konto des Verstorbenen erhalten.

Doch nun keine Sorge: Wer sich aus bestimmten Gründen den angegeben Zeitraum über nicht einloggt, wird über die hinterlegte Mobilfunknummer kontaktiert, bevor die gespeicherten Aktionen das Konto betreffend durchgeführt werden. Somit wird ein versehentliches Deaktivieren verhindert.
Reagiert die Betreffende aber nicht auf die Warn-SMS, passiert das, was zuvor gespeichert wurde:

  • Das Konto wird mit allen daran gekoppelten Inhalten (Youtube, Blogger, Adsense, etc.) gelöscht
  • Es wird eine vorformulierte Abwesenheitsnachricht aktiviert
  • Bis zu zehn festgelegte Personen des Vertrauens werden benachrichtigt. Diese erhalten damit die Information, dass das Konto über einen bestimmten Zeitraum hinweg inaktiv ist und, sofern vorher so bestätigt, erhalten diese Personen Zugriff auf das Konto.

Die Nachlassautomatik ist für beide Seiten von Vorteil: Google selbst muss weder Totenscheine prüfen noch Gespräche mit trauernden Angehörigen führen und die Personen, die vom Verstorbenen im Vorfeld dazu bevollmächtigt wurden, erhalten bürokratie- und problemlos Zugriff auf das Google-Konto.

Die Automatik ist für alle, die sichergehen wollen, ein tolles Feature. Und alle anderen können ja noch auf den geheimen Zettel zurückgreifen. Nur bitte nicht vergessen, wo der zu finden ist!